Nachtaufnahmen

Aufnahmen in der Nacht haben seit jeher ihren außergewöhnlichen Reiz. Und das Motiv lebt hauptsächlich von seiner Lichtstimmung. Manche Objekte, welche am Tag die Hauptaufmerksamkeit auf sich zogen, verschwinden vielleicht völlig.

Das Licht spielt

Andere wiederum treten in den Vordergrund, weil sie als Lichtquellen fungieren (Leuchtwerbung, Straßenlaternen). Objekte, welche dadurch angestrahlt bzw. ganz anders ausgeleuchtet werden (Fußgängerzone) erscheinen plötzlich in einem ganz anderen „Licht“. Dazu kommt, dass solcherlei Objekte mitunter erst ihr nächtliches Eigenleben entfalten, wenn es sich zum Beispiel um ein Gebäude mit vielen beleuchteten Außenfenstern handelt. Die am Tag sichtbare triste Fassade spielt dann keine Rolle mehr.

Nicht so einfach

So hat der Fotograf plötzlich ein interessantes Objekt vor sich, hat aber auch ganz andere Aufgaben zu lösen, denn er muss mitunter im Gegenlicht fotografieren, braucht aber auch Methoden, um bei längeren Belichtungszeiten arbeiten zu können. Lichtquellen sollen nicht überbetont werden. Damit wir aber auch bei einer mäßig ausgeleuchteten Szenerie die Umgebung noch sichtbar machen können, brauchen wir oft Zeiten von über 2 Sekunden für die Belichtung. Da muss der Mittelweg gegangen und auf technische Hilfsmittel zurückgegriffen werden. Lichtspuren und Unschärfe sind an dieser Stelle erstmal unerwünscht, also wird ein stabiles Stativ notwendig. Eine gute Idee ist dann auch, den Verschluss fernauszulösen, um Verwackler gänzlich zu vermeiden.

Auf der anderen Seite können Lichtspuren auch interessant sein, wenn sie denn zum Beispiel von Autoscheinwerfern oder anderen bewegten Objekten kommen. Aber auch dann braucht es eine fixierte Kamera, damit diese gleichmäßig sind und die unbewegte Umgebung unverwackelt wiedergegeben wird.

Wie immer kommt es also auf die Bildgestaltung und die praktischen Vorkehrungen dazu an, um aus einem verheisungsvollen Motiv ein gutes Ergebnis herauszuholen. An dieser Stelle sollen nur kurz die „Klassiker“ angesprochen werden.

Praxis

Zu Weihnachten ist das sicher der Weihnachtsmarkt. Unschärfe im Hintergrund ist hier nicht schlecht, als Hauptelement bietet sich ein Marktstand mit Laterne an. Eine ISO-Zahl unterhalb vom Maximalwert (moderne Kameras haben eine Einstellung zur Begrenzung nach oben) sorgt für niedriges Bildrauschen.
Die beleuchtete und starre Hochhausfassade ist gut für Langzeitbelichtung. Sollte sich davor eine von Autos befahrene Straße befinden, so sind die durch die Scheinwerfer entstehenden Lichtspuren durchaus erwünscht. Hier sollte man mit Belichtungszeiten von 5 bis 20 Sekunden experimentieren. Moderne Kameras bieten dazu geeignete Einstellungen.

In der belebten Geschäftsstraße, wo sich Menschen bewegen, müssen die Belichtungszeiten aber im Bruchsekunden-Bereich liegen. Wie beim Weihnachtsmarkt haben sich bei mir die manuelle Einstellung mit Blendenöffnung 4.3, ISO 1600 und einer Belichtungszeit von 1/30s als Ausgangsbasis bewährt. Von der aus kann man modifizieren und auf die jeweilige Situation und die Stärke vom Umgebungslicht reagieren.

Bei Leuchtreklamen kann man auch gerne ‚mal die Programmautomatik der Kamera auf Brauchbarkeit testen.
Ähnlich gestalten sich Aufnahmen von Schaufenstern. Hier ist man noch etwas näher dran und konzentriert sich auf die Inhalte in der Bildmitte. Da kann man sogar mit Effekten wie HDR experimentieren. Hat man Regen, ergibt ein nasser Fußgängerweg mit diversen Reflektionen tolle Ergebnisse.

Beleuchtete Türme wiederum lassen sich mitunter nicht komplett mit einem entsprechenden Vordergrund auf ein Bild bannen. Man kann sie aber durchaus auch nur teilweise oder steil nach oben fotografieren, dann aber bitte auf die Bildaufteilung (siehe bspw. Drittelregel) achten. Handelt es sich dabei um drehende Karussels auf dem Jahrmarkt, dann sorgt eine mittlere Belichtungszeit (1 s) bei entsprechend mehr geschlossener Blende für Wischer bei der Beleuchtung, welche man gut als Stilelement einsetzen kann…
 

Swen Hopfe

 

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