Das gespaltene Land

Wie hat sich doch die Diskussion um Flüchtlinge, welche nun nach Europa strömen, in den letzten Wochen zugespitzt. Liest man in Foren, möchte man gar nichts mehr dazu beitragen, denn es scheint auf den ersten Blick alles gesagt und sich Fronten gebildet zu haben.

Und das ist schade, denn ein Schwarz-Weiß gibt es wie immer eigentlich nicht. Und hat man keine Lust mehr, seine Meinung zu äußern, dann sind wir offenkundig an einem Punkt, wo nichts mehr übrig bleibt außer Verhärtung oder Resignation. Eine ganz schlimme Sache. Dem möchte ich mal ausweichen, in dem ich eben nicht zu Facebook oder etc. poste. Und ja, Wiederholung ist vielleicht angesagt, auch in meinem Statement hier. Aber vielleicht auch nicht.

Wie kurz ein Leben so ist. Da bleibt eigentlich keine Zeit zu hassen, sondern nur etwas Zeit für Liebe. So jedenfalls der unverbesserliche Optimist, der übersieht, dass er nicht allein auf der Welt ist und dass es den meisten Protagonisten, wenn sie denn einmal eine einflussreiche Stelle erreicht haben, nur noch um Macht geht. Der bescheidene kleine Mensch ist erstmal hilfsbereit. Und keine Frage, das trifft auch auf die Mehrzahl der Deutschen zu. Hilfe ist angesagt, wenn Menschen in Not sind.

Diese Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen aus vor allem Syrien und dem Irak wird in diesen Tagen auf eine harte Probe gestellt. Oben genannte Machtpolitiker haben das zu verschulden und unser Land quasi über Nacht gespalten. Nicht der Nachbar, die Krankenschwester, der Maschinenschlosser, Handwerker oder Sekretärin haben Schuld, wenn sie vor einer vermehrten Einwanderung Angst haben und dies kundtun. Schuld haben auch nicht diejenigen, die argumentieren, dass diese Angst unbegründet sei. Das Übel liegt vielmehr darin, dass ganz woanders entschieden wird und in dieser Krise ohne wirkliches Regulativ. Man hat offenbar unterschätzt, dass es auch noch Meinungen in der Bevölkerung gibt.

An dieser Stelle könnt‘ ich auch die vielen Meinungen wiederholen, welche man dieser Tage unablässig lesen kann. Da stehen „wir brauchen Zuwanderung“ bis hin zu „wir bekommen Terroristen“ auf der einen oder anderen Seite. Natürlich hab‘ ich auch eine eigene Meinung und die ist eben, dass Hilfe für hilfsbedürftige Menschen ein Grundprinzip ist. Für Hilfsbedürftige. Die ist aber auch, dass wenn Tore ohne wenn und aber geöffnet werden, das auch kein Prinzip sein kann. Kann man in einer wirklichen Krise nicht, wenn Leib und Leben von Leuten bedroht sind? Man kann als Europa handeln und man kann Regeln aufstellen. Damit baut man keine Barrieren auf, sondern man organisiert das künftige Zusammenleben. Denn es gibt immer auch eine Zeit „danach“. Nach den großen Schlagzeilen. „Lasten verteilen“ klingt ziemlich strikt, aber ehrlich, auch darum geht es.

Womit wir wieder bei den Bedürfnissen unserer Menschen in Deutschland wären. Aller Menschen. Die fragen sich zurecht, warum zur „Rettung“ gewisser Missstände (Banken, militärische Auslandseinsätze etc…) Geld zur Verfügung steht, um das eine alleinerziehende Mutter kämpfen muss. „Ja, das ist alles nicht so einfach“, und das ist es wirklich nicht. Aber Leute mit diesem Satz abzuspeisen, wird ein Stück weit nicht mehr funktionieren, weil man gerade jetzt politisch viel Vertrauen verspielt hat. Das Schlimmste für mich in diesen Tagen ist das schleichende Mundverbot für Kritik an der Bundespolitik. Es muss jederzeit möglich sein, seine Meinung kund zu tun, wenn sie denn nicht radikal oder demokratiegefährdend daher kommt. Alles andere ist ein Bumerang.

Und ja, es geht um Zuwanderung in Deutschland. Innerhalb derer gibt es einen Teil von Menschen, welche Kriegsflüchtlinge sind. Vor allem in Syrien jetzt. Unmenschlich wäre es, zu unterteilen, ob es sich dabei um jemanden handelt, welcher aus wirtschaftlicher Not aus seiner Heimat weg will oder weil er von oben bombardiert wird. Aber man muss sich der Aufgabe stellen, wie man mit Menschen aus ganz anderen Gegenden umgehen möchte. Andere Länder können das. Und sorry, es geht auch um Quantität. Alles von einem intellektuellem Turm aus zu beurteilen, funktioniert nicht. Denn in seinem Kulturkreis leben zu wollen, ist keine böse Forderung, sondern auch nur menschlich. Da solle mal jeder in sich selbst hineinschauen, was er in seinem Inneren und privat wirklich möchte.

Das genannte Vertrauen aufzuholen wird nicht zuletzt deshalb richtig schwer. In den nächsten Landtagswahlen wird man es erleben. Wer will schon Parteien, die radikalisieren? Aber genau dorthin treibt man die Leute. Da wird es wenig nützen, zu postulieren, dass man am rechten Rand keine Rezepte hat und nur Stimmungsmache betreibt. Also bitte Verantwortung für die derzeitige Situation im Ländle tragen und entsprechende Entscheidungen treffen. Das hilft dann nicht nur gegen gespielte Tränen am Wahlabend, sondern auch für unser Miteinander die nächsten Jahre über. Und hilft, die Hilfsbereitschaft der Leute aufrecht zu erhalten. Denn nur die wird’s richten…

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